ZurückDentalScout®
P2000
Mundspiegel- und Endoskopkameras im Vergleich
Intraorale Videokameras sind bewährte Aufklärungs-,
Dokumentations- und Marketinginstrumente in einer Zahnarztpraxis und werden zunehmend auch
für die ISDN-Bildkommunikation zwischen Zahnarzt und Labor eingesetzt. Es stehen
Endoskop- oder Mundspiegelkameras zur Verfügung. Während es bei Endoskopkameras eine
große Zahl verschiedener Modelle und Hersteller gibt, werden Mundspiegelkameras fast
ausschließlich durch DentalScout-Modelle vertreten. Anhand der neuentwickelten
Systemkamera DentalScout P2000 werden nachfolgend die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale
sowie Vor- und Nachteile beider Kameratypen beschrieben.
Bauprinzip, Größe und Gewicht
Bei Endoskopkameras sind im Kopf stabförmiger Handstücke
kleine Objektive untergebracht, die intraorale Nahaufnahmen ermöglichen. Das Licht für
die Objektbeleuchtung wird über Lichtleiter zugeführt und tritt direkt neben dem
Objektiv aus. Für die verschiedenen intra- und extraoralen Aufnahmesituationen werden in
der Regel 0°- bzw. 90°-Zusatzoptiken empfohlen.
Mit Mundspiegelkameras erfolgt die intraorale Abbildung
über einen Spiegel, der an eine Videokamera angekoppelt ist. Die Beleuchtung erfolgt
über zirkulär um das Objektiv angeordnete Miniaturlampen. Damit kann jeder intraorale
Bereich abgebildet werden. Zieht man den Spiegel ab, dann sind auch extraorale Aufnahmen
möglich.
Endoskopkameras haben einen schlankeren Kamerakörper als
Mundspiegelkameras, dagegen sind ihre Baulängen meist größer.
Mit 120 bzw. 170 Gramm für das Kameragehäuse (je nach
Objektivbestückung) ist die DentalScout P2000 eine der leichtesten Intraoralkameras auf
dem Markt. Beim effektiven Gesamtgewicht müssen auch die Zuführungskabel berücksichtigt
werden. Da diese bei Endoskopkameras wegen der Lichtleitkabel schwerer und unflexibler
sind, hat die DentalScout P2000 eine spürbar günstigere Gewichtsverteilung.
Allgemeines zur Bildqualität
Die Bildqualität eines Video-Kamerasystems hängt von der
Güte der Kameraoptik und des aufzeichnenden Mediums (CCD-Bildsensor samt nachgeschalteter
Elektronik) sowie von der Ausleuchtung des Objekts ab. Alle Komponenten müssen gut
aufeinander abgestimmt sein, um scharfe, brillante Farbbilder zu erzielen. Ein weiteres,
wichtiges Qualitätskriterium ist die formtreue, d.h. unverzerrte Abbildung. Sie ist
unbedingte Voraussetzung, um z.B. für den Zahntechniker realistische und verläßliche
Arbeitsvorlagen zu erstellen. Verzerrungsfreiheit wird auch für forensische Zwecke, für
die digitale Bildverarbeitung (Imaging-Programme) oder für die kieferorthopädische
Falldokumentation gefordert.
Abbildungsoptik
Endoskopobjektive sind sehr klein dimensioniert und
benötigen zusätzliche Bildleitsysteme (z.B. interne Spiegel, Prismen) auf dem Weg bis
zum Bildsensor. Die Korrektur ihrer physikalischen Abbildungsfehler (sphärische und
chromatische Aberration) ist schwierig. Wegen der sehr kurzen Objektivbrennweiten treten
außerdem erhebliche Verzerrungen des abgebildeten Objekts auf (Fisheye-Effekt). Auch die
für Extraoralaufnahmen angeboten 0°-Optiken zeigen in der Regel noch deutliche
Weitwinkelcharakteristik, so daß z.B. bei Aufnahmen von Frontzähnen Verzerrungseffekte
unvermeidbar sind.
Bei der DentalScout P2000 sorgen mehrlinsige, vergütete
Objektive hoher Lichtstärke dafür, daß das hohe Auflösungsvermögen des Bildsensors
(> 460 TV-Linien hor., 440.000 Pixel) optimal genutzt und ein Höchstmaß an optischer
Qualität erreicht wird. Die Telebrennweiten dieser Objektive garantieren außerdem, daß
die physikalische Voraussetzung für eine formtreue Abbildung von Zahnformen und
Zahnstellungen gegeben ist und weder im Fern- noch im Nahbereich störende Verzerrungen
auftreten.
Ausleuchtung
Für eine gute Abbildung ohne Bildrauschen muß genügend
Licht auf den Bildsensor gelangen. Da die Lichtstärke von Endoskopobjektiven wegen der
winzigen Lichtdurchtrittsöffnungen sehr gering ist, sind hohe Beleuchtungsstärken am
Objekt erforderlich. Deshalb werden lichtstarke Kaltlichtquellen verwendet, deren Licht
über Lichtleiter bis zum Objektiv geführt wird, wo es unmittelbar neben diesem austritt.
Darunter kann aber die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung
leiden, weil die Lichtintensität wegen des 1/r2-Abstandsgesetzes mit doppeltem
(dreifachen usw.) Abstand von der Beleuchtungsquelle schnell auf 1/4 (1/9 usw.) abnimmt.
Da sich die Lichtaustrittsstelle bei Endoskopkameras sehr dicht am Zahn befindet, werden
nahe Bereiche nicht selten überstrahlt, während entferntere Zahnbereiche unterbelichtet
erscheinen.
Die DentalScout P2000 kann wegen der großen
Objektivöffnung auf eine externe Kaltlichtquelle verzichten. Das Licht dreier zirkulär
um das Objektiv angeordneter Miniaturlampen fällt auf den Spiegel und wird von diesem auf
das Objekt umgelenkt. Da sich die Lampen weit entfernt vom Spiegel und somit vom
abzubildenden Zahn befinden, ist der Objektabstand zu verschiedenen Zahnbereichen nahezu
konstant und man erreicht eine sehr gleichmäßige Ausleuchtung intraoraler Details. Neben
dem beleuchteten Makro-Teleobjektiv steht ein zusätzliches, lichtstarkes
Makro-Standardobjektiv zur Verfügung. Es liefert selbst bei ungünstigen
Lichtverhältnissen noch farb- und kontrastreiche Bilder intra- und extraoraler Details
und übersichten.
Farbe und Brillanz
Bedingt durch die mit zunehmendem Abstand notwendige
elektronische Nachverstärkung des Bildsignals nimmt bei Endoskopkameras die
Farbsättigung rasch ab und das Bildrauschen zu, so daß die Brillanz signifikant
vermindert wird.
Hier zeigt die DentalScout P2000 wegen ihrer
lichtstärkeren Objektive deutlich besseres Verhalten. Außerdem läßt sich auf
Tastendruck ein Weißabgleich zur optimalen Anpassung der Farbwiedergabe der Kamera an das
jeweilige Umgebungslicht durchführen. Über ein On-Screen-Menü kann man Farbe und
Kontrast auch gezielt nach dem individuellen Geschmack einstellen. Weiterhin ist die Wahl
zwischen Integral- oder Selektivmessung möglich.
Bildausschnitt und Vergrößerung
Endoskopkameras haben Vorteile gegenüber Spiegelkameras
bei der Wahl intraoraler Bildausschnitte und des Vergrößerungsmaßstabes. Die starke
Weitwinkelcharakteristik ihrer Objektive erlaubt es, durch Abstandsänderung den
Bildausschnitt zu vergrößern oder zu verkleinern. Auch können höhere Vergrößerungen
durch starkes Annähern an das Objekt erreicht werden. Allerdings ist es im extremen
Nahbereich bei starken Vergrößerungen wegen der dann geringen Tiefenschärfe besonders
schwierig, die Schärfe zu halten. Bei einer Mundspiegelkamera mit angesetztem Spiegel
kann der Vergrößerungsmaßstab nur in geringem Maße durch Abstandsänderung variiert
werden.
Der Vergrößerungsfaktor (Bildgröße/Objektgröße)
hängt naturgemäß auch von der Größe des verwendeten Monitors ab. Mit normalen
Monitorgrößen erreicht man mit Mundspiegelkameras etwa 20-fache Vergrößerungen,
während manche Endoskopkameras bis zu 40-fach vergrößern.
Handhabung
Handhabung und Praxistauglichkeit einer Intraoralkamera
hängen nicht nur von Bauform und Gewicht, sondern in viel größerem Maße davon ab, wie
einfach und gut typische Abbildungssituationen (Okklusal- und Bukkalansichten von Zähnen,
Mundübersichtsaufnahmen und Frontansichten) bewältigt werden können.
Bei Mundspiegelkameras wird im intraoralen Nahbereich der
Spiegel am Zahn abgestützt. Dadurch erhält man sofort ein scharfes und
verwacklungsfreies Bild. Die Abstützung des Spiegels erleichtert zudem erheblich das
Auffinden intraoraler Details. Hierin liegt ein wesentlicher Vorteil gegenüber
Endoskopkameras, die normalerweise nicht am Zahn abgestützt werden können, sondern mit
Abstand zu diesem frei gehalten werden.
Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich dadurch, daß die
Bildlage am Monitor von der Orientierung des Bildsensors zum Objekt abhängt. Bei den
meisten Endoskopkameras sind Objektiv und Bildsensor starr miteinander verbunden, so daß
eine Drehung der Kamera um ihre Längsachse eine Rotation des Bildes am Monitor zur Folge
hat. Deshalb bewirkt z.B. eine horizontale Kameraverschiebung entlang der bukkalen
Zahnflächen, bei der die Kamera etwa 90° um die eigene Längsachse gedreht werden muß,
eine unerwartete, um 90° verdrehte, d.h. vertikale Bildverschiebung am Monitor. Dies ist
sehr verwirrend und erschwert die Suche intraoraler Details erheblich. Großes Geschick
bei der Kameraführung ist nötig, um das Objekt zu finden und zu fixieren, gleichzeitig
den richtigen Abstand unter Beibehaltung der Schärfeebene einzuhalten und dabei
Bewegungsunschärfen zu vermeiden, zumal eine direkte Abstützung am Zahn fehlt.
Dieses Problem läßt sich bei Mundspiegelkameras
vermeiden, da der gesamte Spiegelvorsatz so um die Kameraachse gedreht werden kann, daß
das Bild am Monitor immer gleiche Orientierung wie das Objekt hat.
Hygiene
Endoskopkameras können mit transparenten Folien vor
Kontamination mit Speichel oder Blut geschützt werden. Diese Folien beeinträchtigen
jedoch die Bildqualität. Bei einigen Modellen läßt sich die Kamerahülse abnehmen und
sterisilieren. Meist wird jedoch Wischdesinfektion empfohlen.
Bei Mundspiegelkameras braucht man bei einem
Patientenwechsel den sterilisierbaren Mundspiegel und die Objektivschutzkappe nur
auszutauschen. Für den Kamerakörper genügt Wischdesinfektion, da er außerhalb des
Mundes bleibt.
Stationärer Kameraeinsatz und Mikroskopanschluß
Eine Intraoralkamera sollte durch sinnvolles Zubehör auch
für andere praxisrelevante Aufgaben eingesetzt werden können. Dazu gehören vor allem
die einfache Handhabung der Kamera im stationären Einsatz (z.B. Aufzeichnung von
Behandlungsabläufen bei großem Objektabstand, standardisierte Aufnahmen für
Kieferorthopädie und Imaging) und die Möglichkeit des Mikroskopanschlusses für die
mikrobielle Plaqueuntersuchung.
Der stationäre Betrieb ist bei DentalScout-Kameras durch
eine Schnellsteckkupplung mit Stativanschlußgewinde problemlos möglich. Für den großen
Objektabstand sorgen die verwendeten Teleobjektive. Nur wenige Endoskopkameras sind für
einen solchen Einsatz konzipiert.
Die Ankoppelung an ein Mikroskop ist sowohl bei der
DentalScout P2000 als auch bei den meisten Endoskopkameras möglich. In der Regel werden
C-Mount-Adapter mit Normgewinde verwendet. Daher muß auch das Mikroskop über einen
C-Mount-Anschluß verfügen.
Zusammenfassung
Schlankes, "handliches" Design einer
Endoskopkamera bedeutet nicht gleichzeitig auch bessere Handhabung. Entscheidend ist, wie
einfach und gut typische Abbildungssituationen in der täglichen Praxis gemeistert werden
können. Hier kann die Mundspiegelkamera DentalScout P2000 z.T. deutliche Vorteile
gegenüber Endoskopkameras verbuchen. Sie übertrifft auch bei Bildqualität und
formtreuer Abbildung die meisten Endoskopkameras.
Verfasser:
Dr. Dr. Rolf Klett, Diplom-Physiker und Zahnarzt, Würzburg