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Quelle: Zahnärztliche Mitteilungen, zm 12/2001, Seite 57
Die professionelle Praxisausstattung
Raum für ein spezielles Umfeld
Herbert Michel |
Die prophlaxeorientierte Zahnarztpraxis erfordert nicht nur ein
entsprechendes räumliches Ambiente, sondern auch eine professionelle
Ausstattung und Einrichtung. Auf jeden Fall bereit stehen sollte ein
Prophylaxeraum mit Behandlungseinheit, ein Dialogplatz und ein
Mundhygienetrainingsplatz.

Präventionsorientierte Zahnmedizin ist die Zahnmedizin
der Zukunft. Der derzeitige Paradigmenwechsel führt zwangsläufig zu
einer neuen Praxisphilosophie. Überlegungen zur Um- und Neugestaltung
der zahnärztlichen Praxis sind die logische Folge. So stellt sich die
Frage nach entsprechender Einrichtung und Ausstattung. Der Wunsch
unserer Patienten nach professioneller Anleitung zur Erhaltung der
Gesundheit ist zukünftig wohl der entscheidende Anlass für die Auswahl
einer Zahnarztpraxis und der "Treue" zu ihr.
Information, Instruktion, Motivation und präventiv-therapeutische
Maßnahmen, wie die professionelle Zahnreinigung, sind die Pfeiler der
zahnärztlichen Prophylaxe. Sie bedürfen einer im wahrsten Sinne des
Wortes grundsoliden Basis: eines Prophylaxeraums mit
Behandlungseinheit, eines Dialogplatzes und des
Mundhygienetrainingsplatzes.
Die Prophylaxebehandlungseinheit möchte von den Patienten so wenig wie
möglich als Behandlungsstuhl empfunden werden. Die Umsetzung dieses
Gedankens ist eine reizvolle Herausforderung - eine Aufgabe, die
Funktionalität, Ästhetik und ansprechendes Design vereinen muss. Ein
Prophylaxepatient hat andere Bedürfnisse und Ansprüche als ein
Patient, der wegen akuter Schmerzen oder zur prothetischen Versorgung
die Praxis aufsucht. Ein Prophylaxepatient kommt aus eigenem Antrieb,
aus einem vorsorgenden Gesundheitsbewusstsein, und er erwartet
unbewusst eine Anerkennung seines eigenverantwortlichen Handelns.
Atmosphäre medizinisch
Die Atmosphäre darf und soll medizinisch geprägt sein - der Patient
hat ja seinen guten Grund, genau deshalb zu kommen. Aber alles, was an
ausgestandene Schmerzen erinnert oder eine auch noch so unbegründete
Angst vor dem Zahnarzt aufkommen lassen könnte, muss im
Prophylaxeumfeld ausgeschlossen bleiben.
Gleichgültig, ob Prophylaxe im üblichen Behandlungszimmer oder in
einem eigens dafür eingerichteten Prophylaxeraum praktiziert wird, der
Patient sollte sich in diesem speziellen Umfeld tatsächlich wohl
fühlen können. Er soll spüren, dass für ihn Raum und Zeit reserviert
sind. Patienten müssen merken, dass sich alles um sie dreht. Der
einzelne Patient soll registrieren, dass die Raumgestaltung mit dem
Design von Behandlungseinheit und Einrichtung seinen Vorstellungen
entgegenkommt, sich in einer stressfreien Umgebung und Atmosphäre zu
befinden. Der Zahnarzt, der Praxisinhaber, hat es in der Hand, diesen
Eindruck zu schaffen. Er kann den Raum durch angenehm empfundene
Farben, Linien und Formen entspannend und wohltuend gestalten. Wer
einen Prophylaxeraum neu konzipiert, sollte sich dessen bewusst sein:
Von der ästhetischen Gestaltung des Raumes, seiner Einrichtung und
Ausstattung hängt nicht zuletzt die nachhaltige Bindung des Patienten
an die Praxis ab - neben, ohne Frage, der Ausstrahlung, Kompetenz und
Freundlichkeit des gesamten Praxisteams.
Eigener Raum
Wer hinreichend Erfahrung mit der Integration der individuellen
Prophylaxe in den Praxisalltag sammeln konnte, kommt meistens zu der
Einsicht, dass sich am besten in einem eigenen Raum prophylaktisch
arbeiten lässt. Nur hier kann Prophylaxe ungestört vom übrigen
Praxisablauf und mit eigener Terminplanung der Prophylaxeassistentin
praktiziert werden. Ein solcher, nach Möglichkeit ausschließlich der
Prophylaxe gewidmeter Raum sollte drei Ausstattungskomponenten haben:
- die Prophylaxebehandlungseinheit,
- den Dialogplatz,
- den Mundhygienetrainingsplatz.
Die Mindestbestückung der Prophylaxeversion einer
Behandlungseinheit umfasst Winkelstück, Mehrfachspritze, ausgestattet
mit Luft, Wasser und Spray, kleine und große Absaugkanüle, Op-Leuchte,
Sitzstühle für Zahnarzt (oder Prophylaxeassistentin) und Helferin,
eventuell Speibecken, Schwebetisch für Trays und Instrumentenschränke.
Ferner haben sich folgende Geräte im praktischen Alltag als notwendige
Ausstattung erwiesen und bewährt: Grundsätzlich sollten für alle
prophylaktischen Behandlungen die Polymerisationslampe, der
Röntgenbildbetrachter und ein Ultraschallgerät bereitstehen, dieses
mit verschiedenen Arbeitsansätzen, inklusive solchen für subgingivale
Konkrementbeseitigung. Darüber hinaus erleichtern EVA-Köpfe zum
Polieren in Interdentalräumen, am besten in zwei Ausführungen, mit
voller Hubhöhe von 1,5 Millimetern und mit gedämpften Hub von 0,8
Millimetern, die Arbeit wesentlich. Wenn ohne Assistenz zum Absaugen
gearbeitet werden muss, ist ein Spiegel mit integriertem Suctor
hilfreich (Mirror Suction). Außerordentlich wichtig für eine nicht
aufwändige Diagnostik der interproximalen Karies ist ein
Transilluminationsgerät.
Ein anderes Gerät, das sich zur Kariesfrühdiagnose bewährt hat,
erkennt mit Hilfe der Fluoreszenzmessung Initialläsionen,
Demineralisationen und Schmelzveränderungen, Fissurenkaries,
Approximalkaries und Restkaries beim Exkavieren. Mit der Lupenbrille
lassen sich auf sehr einfache Weise Strukturen erkennen, die unserem
Auge in dieser Klarheit sonst verborgen blieben. Für die
bakteriologische Speicheldiagnostik ist ein Brutschrank unentbehrlich.
Als ergonomisch sinnvoll hat sich die Installation eines
Röntgengerätes an der Prophylaxeeinheit erwiesen. So kann die
Prophylaxeassistentin nach Anweisungen des Zahnarztes die notwendigen
röntgenologischen Befundaufnahmen für die Karies- und
Parodontaldiagnostik erstellen.
Ergonomisch begründet und auch in der Praxis der Prophylaxe bestens
bewährt ist ein durchdachtes Traysystem. Für die Bestückung der Trays
ist die jeweils geplante Behandlungsmaßnahme ausschlaggebend. Die zur
professionellen Zahnreinigung (PZR) vorgeordneten Trays zum Beispiel
können als Grundbestückung folgende Instrumente enthalten: Spiegel,
Sonde, Pinzette, Furkationssonde, EXS 3A-Sonde, M23-Scaler,
Furkationsküretten und die Gracey-Küretten 5/6, 7/8, 11/12, 13/14. An
Einsätzen für das Winkelstück und das EVA-Handstück sollten
Polierbürstchen, flammenförmige Gummipolierer, die am Schmelz nicht
abrasiv wirkenden Wolfram-Carbid-Spitzen sowie EVA-Arbeitsspitzen und
diamantierte EVA-Spitzen unterschiedlicher Körnung (150 bis 15 Mikron)
in die Trays eingeordnet sein. EVA-Prophylaxespitzen aus Kunststoff
oder Holz, spatelförmige Kunststoffspitzen, Gummikelche, Polierpaste
in Portionsnäpfchen und Stripping-Folien ergänzen die Liste der in den
Trays zurechtgelegten Hilfsmittel. Je nach Wunsch und Bedarf für
individuelle Aufgaben empfiehlt es sich, Per-io-tor Wurzelglätter nach
Axelsson und weitere Sonderformen von Scalern und Küretten in Trays
übersichtlich bereitzuhalten. Zur Fissurenversiegelung und
Fluoridierung vorbereitete Trays wiederum sind diesen speziellen
Aufgaben entsprechend bestückt.
Die Erfahrung lehrt, dass Patienten zugänglicher und aufmerksamer
sind, wenn Motivation, Information und Instruktion nicht am
Behandlungsstuhl, sondern an einem eigenen Dialogplatz erfolgen. Die
partnerschaftliche Kommunikation, sozusagen das Miteinander "von
Gleich zu Gleich", erleichtert das Aufklärungsgespräch ganz
wesentlich. Gesprächsführung am Behandlungsstuhl dagegen ist nicht
immer zielführend, weil der äußere Rahmen dem Patienten nicht die
gewünschte "Gleichberechtigung" bietet.
Dialogplätze
Von der Dentalindustrie und vom Dentalhandel werden zweckmäßige
Dialogplätze angeboten, die in der Regel als gelungen und effektiv zu
bezeichnen sind. Auf Grund eigener Erfahrung und der vieler Kollegen
ist der Nutzen eines Dialogplatzes unumstritten. Allerdings müssen bei
der Einrichtung eines Dialogplatzes einige Basisanforderungen beachtet
werden:
Nur auf gleicher Augenhöhe ist eine sinnvolle Gesprächsführung in
partnerschaftlichem Miteinander möglich. Zumindest ein schwenkbarer,
beleuchteter und blendfreier Vergrößerungsspiegel muss am Dialogplatz
angebracht sein, damit Befunde im Munde des Patienten diesem deutlich
demonstriert werden können. Vorteilhafter noch ist es, diese
Grundausstattung des Dialogplatzes durch Videorecorder und Monitor, intraorale Kamera,
Plaqueoskop mit Monitoranschluss und eventuell einem Videobilddrucker
zu ergänzen. Ein Röntgenbildbetrachter, gegebenenfalls PC-unterstützte
CD-ROM-Informationssysteme, vervollständigen die Ausstattung des
Dialogplatzes. Von großer Hilfe ist es auch, wenn an einem
integrierten Waschbecken die Möglichkeit des assistierten
Zahnputztrainings gegeben ist. Ablageflächen für Demonstrations- und
Informationsmaterialien sollten ebenfalls vorhanden sein.
Erlaubt die spezielle Praxissituation keine Integration in den
Dialogplatz, so kann ein vom Dialogplatz getrennter
Mundhygienetrainingsplatz den gleichen Zweck erfüllen. Der
Hygienebrunnen von KaVo zum Beispiel genügt mit seinem beleuchteten
blendfreien Spiegel und dem integrierten Putzbecken den hohen
funktionellen und ästhetischen Ansprüchen, die man heute an die
praxisgerechte Gestaltung eines Mundhygienetrainingsplatzes stellt.
Ein modernes Medium, auf das
in einer prophylaxeorientierten Praxis nicht mehr verzichtet werden
sollte, ist die intraorale Videokamera. Die Wirkung der von ihr
ausgehenden Bilder auf den Patienten ist eindrücklich und entsprechend
motivierend. Eine solche Einsicht in seine Mundhöhle ist ihm neu und
ungewohnt. Er lernt seine Mundsituation live kennen, sieht den Zustand
seiner eigenen Zähne stark vergrößert und in einer ausgezeichneten
Bildqualität auf dem Monitor - und ist von der Welt hinter seinem
Lippenrand fasziniert. Die Bilder sprechen für sich. Für eine gemeinsame
Kommunikationsbasis ist die Darstellung der intraoralen Welt durch das
Objektiv einer Videokamera wie geschaffen.
Blick in die Mundhöhle
Zu beachten ist dabei, dem Patienten den Blick in seine Mundhöhle
positiv erleben zu lassen. Man zeigt zuerst gesunde Mundregionen und
spart dabei nicht mit lobenden Bemerkungen für plaquearme Zähne,
schöne Zahnformen und Zahnstellungen. Wo immer aber Defizite oder
pathologische Veränderungen zu sehen sind, interpretieren Sie es nicht
mit anklagenden oder vorwurfsvollen Worten. Erkennen Sie vielmehr das
Bemühen des Patienten um gute Mundhygiene an und lassen Sie ihn
verstehen, dass Sie ihm helfen wollen, solche Defizite künftig zu
minimieren. Manch "hartes" Bild gilt es mit "weichen" Worten zu
erklären. Die Richtschnur für die Wortwahl bei diesen wirkungsvollen
Demonstrationen sollte immer sein: Wie würde ich empfinden, wenn ich
jetzt der Patient wäre? Wenn unsere Sprache richtig führt, entdeckt
der Patient seinen Zahnstein, seinen Zahnbelag, seine
Zahnfleischentzündungen, seine Parodontitis und seine Karies. Er
erlebt seine aktuelle Situation. Er erfasst sofort, dass es um ihn
geht und nicht um einen anonymen Fall. Die Einsicht in die Prophylaxe-
oder Behandlungsnotwendigkeit wird fast augenblicklich erreicht und
der Wille zum Handeln geweckt. Der Patient ist motiviert. Ein Bild
sagt mehr als tausend Worte; diese banale Erkenntnis bewahrheitet sich
mit der Anwendung der Intraoralkamera bei jedem einzelnen Patienten
aufs Neue.
Innovative Praxisführung
Unterschätzen wir nicht einen weiteren großen Vorteil: Die Patienten
sehen den Einsatz der intraoralen Kamera als einen Beweis für eine
innovative Praxisführung. Mit weit über zwanzig verschiedenen Systemen
auf dem Markt ist es keine leichte Aufgabe für den Zahnarzt, die für
seine Praxis passende Kamera auszusuchen.
Gute Erfahrungen hat der
Autor mit der
DentalScout
CaddyCam gemacht. Mit ihrem tragbaren Flachbildmonitor ist
diese Intraoralkamera mehrplatzfähig und sekundenschnell an jede
Behandlungseinheit anzudocken. Eine feste Installation an der
Prophylaxebehandlungseinheit ist eine gleichwertige Alternative.
Durch die Anbindung an entsprechende Hard- und Software ist man in der
Lage, die gewonnenen Videobilder auf dem Computer zu archivieren und,
wenn gewünscht und für sinnvoll erachtet, in der Imaging Software
grafisch zu verändern. Mit einem Videoprinter können bestimmte
Mundsituationen nach Wunsch auf Papierbild festgehalten werden.
So eingerichtet und ausgerüstet, steht einer effizienten
prophylaxeorientierten Praxis nichts mehr im Wege. Einrichtung und
Ausstattung sind nicht alles in der Prophylaxe, aber ohne
entsprechende Einrichtung und Ausstattung ist alles nichts.
Dr. Herbert Michel
Ludwigstraße 11
97070 Würzburg
Quelle: Zahnärztliche Mitteilungen, zm 12/2001, Seite 57 |
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